Blinde Liebe: Trickbetrug Beim Online-dating

Beim Online-Dating finden viele einsame Herzen zueinander, aber auch Betrüger und ihre Opfer. Jetzt hat es einen 52-Jährigen erwischt, den seine “neue Liebe” um ein Vermögen gebracht hat.

Trickbetrug über Dating-App

Der Mann aus dem Landkreis Pfaffenhofen ist auf die Masche einer Betrügerin hereingefallen. Dabei hat er insgesamt 17.000 Euro verloren. Das teilt die Polizeiinspektion Geisenfeld mit.

Bereits im März schrieb den Mann eine angeblich 38-jährige Französin über eine Dating-App an. Schon nach kurzer Zeit bat sie ihn um Geld. Angeblich benötigte sie es unter anderem für die Behandlung ihres kranken Sohnes.

Gutgläubiges Opfer gibt Geld und Geschenkkarten

Der 52-Jährige überwies ihr das Geld, obwohl er der Frau nie begegnet war. Nicht einmal virtuell hatte er sie zu Gesicht bekommen. Neben Geld ließ der Dater der Betrügerin auch Amazon-Geschenkkarten zukommen. Insgesamt erbeuteten der oder die Täter auf diesem Wege rund 17.000 Euro.

Immer mehr Fälle von “Romance Scamming”

Liebes-Betrug im Internet – auch “Romance Scamming” genannt – ist eine Betrugsmasche, die immer mehr zunimmt. Beim Bayerischen Landeskriminalamt wird Romance Scamming seit Juli 2019 schwerpunktmäßig erfasst. Durchschnittlich werden pro vollendeter Tat rund 20.000 Euro transferiert.

“Wir sehen Schäden pro Opfer im fünf- und auch sechsstelligen Bereich.” Josef Golder, Leiter des Kommissariats für Vermögens- und Wirtschaftsdelikte bei der Kriminalpolizei Ingolstadt

Täter nutzen emotionale Abhängigkeit ihrer Opfer aus

Aber wer überweist Hunderte oder Tausende Euro an einen unbekannten Liebhaber im Internet? Wie gehen die Täter vor? Die Chats im Internet beginnen harmlos. Die Kontakte werden auch nicht nur auf Dating-Plattformen geknüpft. Die Täter schreiben potenzielle Opfer ebenso auf sozialen und beruflichen Netzwerken an.

“Die Täter stellen sich meistens als gut situiert und attraktiv dar”, erklärt Josef Golder. “Häufig geben sie sich als Ingenieur auf einer Öl-Plattform aus, als Arzt, als Pilot oder als US-Soldat im Auslandseinsatz. Ganz typisch ist es auch, dass sich der Täter selbst als Opfer darstellt. Er erregt Mitleid. Er erzählt, seine Frau sei bei einem Autounfall gestorben oder an einer schweren Krankheit. So gewinnt er das Vertrauen.” Bis die ersten Geld-Forderungen kommen, können Wochen und Monate vergehen, so Josef Golder.

Der Täter beschwört mittlerweile seine Liebe zum Opfer. Er kündigt seinen Besuch in Deutschland an. Doch dann gibt es ein Problem. Einen Schicksalsschlag – und er bittet sein Opfer um Hilfe. “Hier sind der Phantasie der Täter keine Grenze gesetzt. Es fängt an bei kleinen Beträgen für Essen oder ein Hotel, da sie angeblich ausgeraubt wurden. Dann braucht er Geld für ein Flugticket, für Zollgebühren, für ein Anti-Terror-Zertifikat, für ein Anti-Geldwäsche-Zertifikat und so weiter”, sagt Josef Golder.

Die Täter arbeiten mit Deep-Fakes und gefälschten Dokumenten

Nachdem Helga Grotheer Opfer eines Romance Scammers wurde, gründete sie das Internetforum “RomanceScambaiter”. Gemeinsam mit anderen Betroffenen warnt sie hier vor falschen Profilen. So veröffentlicht sie zum Beispiel die Profil-Fotos von Männern und Frauen, die die Täter im Netz klauen, um damit ihre Betrugs-Profile anzulegen.

“Also, es kann wirklich jeder Opfer werden. Es gibt da keine Unterschiede”, sagt Helga Grotheer. “Wir haben sogar eine Polizistin, die gesagt hat: Mensch, ich habe immer gesagt, ich kenne mich mit dem Thema aus, mir würde das nie passieren und auch ihr ist es passiert. Man ist irgendwann emotional gefangen. Man ist ja auch richtig verliebt. Dann machen die ganz langsam Gehirnwäsche und irgendwann kann man gar nicht mehr richtig denken. Man denkt nur noch: Oh, ich muss ihm helfen.” Helga Grotheer, Gründerin von RomanceScambaiter

Fälschungen in großem Stil

Für Video-Telefonate bearbeiten die Täter ihre gestohlenen Profil-Fotos mit Deep-Fakes, so dass es selbst hier dem Opfer nicht auffällt, dass sein Gegenüber gar nicht echt ist. Ebenso fälschen sie Dokumente – zum Beispiel von den Vereinten Nationen, von der US-Army oder von der englischen Regierung – um ihre erfundenen Schicksalsschläge zu belegen.

Täter missbrauchen ihre Opfer als Geldwäscher

Ein weiterer Trick der Täter ist es, ihrem Opfern zunächst selbst Geld zu überweisen, bevor sie dann von ihm Geld fordern. “Das macht den Sinn, dass beim Opfer Vertrauen aufgebaut wird”, erklärt Josef Golder von der Kriminalpolizei Ingolstadt. “Wenn mir jemand 10.000 Euro überweist, dann ist er doch vertrauenswürdig? Tatsächlich stammt das Geld von anderen Romance-Scam-Opfern, die in gutem Glauben, das Geld auf dieses deutsche Konto überweisen. Wenn die Empfängerin oder der Empfänger das Geld dann an seine Internet-Liebe im Ausland überweist, könnte sie/er sich der leichtfertigen Geldwäsche strafbar machen.”

Scham und Not der Opfer sind groß

Viele Opfer schweigen und erstatten keine Anzeige, weil sie sich schämen, sagt Helga Grotheer. Die Täter wüssten durch die monatelangen Chats ganz genau, was bei den Opfern zu holen sei, weiß auch Josef Golder: “Es ist auch so, dass manche Opfer Kredite aufnehmen und dass sie sogar ihre Immobilie belasten, um an Geld zu kommen, das sie dann dem Täter zukommen lassen.”

Die Täter sitzen oft in West-Afrika

Die Täter sitzen zum großen Teil in West-Afrika. Sie sind den Ermittlern auch als sogenannte “Nigeria-Connection” bekannt. Aber es gebe auch immer wieder Täter hier in Deutschland, sagt Ermittler Josef Golder. Sie seien gut organisiert, arbeiteten bandenmäßig. Die Hintermänner in West-Afrika seien nur schwer greifbar. Sobald Opfer Geld ins Ausland überwiesen hätten, sei dieses auch meistens weg. Aber es gebe auch Mittäter in Deutschland, die ihr Konto für Geldtransfers zur Verfügung stellen. Hier ließen sich durchaus Erfolge bei der Ermittlung erzielen und auch Geld zurückholen, so Josef Golder. Am besten sei es, wenn Opfer ihre Anzeigen schnell erstatteten. Meistens habe man nur zwei Tage Zeit, bis das Geld weiter ins Ausland gehe. Eine Anzeige wegen Betrugs sollten Opfer aber in jedem Fall bei der Polizei stellen.

Wie kann man sich vor Liebes-Betrug schützen?

Die häufigsten Opfer von Liebes-Betrug im Internet sind Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Aber auch Männer und junge Leute unter 30 fielen auf die vorgetäuschte Liebe im Netz herein, sagt Josef Golder von der Kriminalpolizei Ingolstadt. Wer sich zum Beispiel nicht sicher sei, ob sein Chat-Partner “echt” ist, sollte das Profil-Foto über die Rückwärts-Bilder-Suche im Internet checken, rät Polizist Josef Golder. Oder es an ein Internetforum wie die RomanceScambaiter von Helga Grotheer schicken. Sie und ihre Mitstreiterinnen überprüfen dann die Fotos.

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